Manfred Reichert

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAIch mache keine Kunst, ich male (mache) Bilder. Ich kann nur malen, wenn ich ohne Absicht bin, wenn ich schnell male und so dem Gedanken voraus bin, der wertet und bestimmen will. Eine erste Farbe ist auf die Leinwand gebracht, eine zweite kommt hinzu, eine dritte, irgendwie, sie nehmen sich ihren Ort und ihren Raum. Doch nichts wird sichtbar, was nach Plan und Vorstellung geordnet wäre, nichts, was etwas bedeuten will. Was entsteht, gehorcht sich selbst, immer wieder neu und immer wieder anders. Ohne Titel.

Es gibt keinen Stil und keinen Nicht-Stil. Es gibt keine Form und keine Nicht-Form. Es gibt kein Schön und kein Nicht-Schön, kein Richtig und kein Nicht-Richtig, kein Gelingen und kein Nicht-gelingen. Hinter der Oberfläche der Wörter und Begriffe aber gibt es einen weiten Raum von Wirklichkeit, die spürbar wird in der unvermittelten, direkten Erfahrung – eine Wirklichkeit von Hinzutreten und Zurücktreten, von Nähe und Abstand, von Anziehung und Fremdheit. In diesem Raum vergessen wir alle Ästhetik und die Frage, wie wir die Farbe Blau beschreiben könnten.

Erfahrungen mache ich beim Malen, nicht beim Denken.

Malen heißt für mich, mich einem lebendigen Spiel von Bewegungen zu überlassen. Und wie beim Musikmachen versuche ich, mich dem einen unkontrollierbaren Augenblick anzunähern, in dem alle Bewegung auf eine nicht beschreibbare Weise wie stehenbleibt. In diesem Augenblick gilt es zurückzutreten.

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